Treffen der Sprachfreunde in der FABI St. Augustin
Termin: Samstag, 18.4.26
Beginn: 15.00h
Ende: ~18.00h
Ort: Familienbildungsstätte Sankt Augustin
Bonner Str. 68a (Eckhaus an der Gottfried-Salz-Straße, dort ist auch der Eingang)
53757 Sankt Augustin
Kein Kostenbeitrag; um Anmeldung wird gebeten.
Was passiert:
- Vortrag von Bernhard Thiery (s.u.)
- Diskussion darüber
- Texte über Doppelnennungen und Wörterverbote* mit Diskussion
- Bericht über die Sprachpraxis in der Bonner Verwaltung
- Spontan aufgebrachte Themen, Erlebnisberichte
Rettet die Oberbegriffe - Zur Geschichte der Doppelnennungen
"Um den Sprachenstreit zu lösen, müssen wir seine Ursachen verstehen", sagte sich der Referent Bernhard Thiery, ehemaliger Lehrer und passionierter Biologe. Ihm fiel die Ähnlichkeit der biologischen mit der sprachlichen Evolution auf. Allem voran die extreme Langsamkeit, die erst nach Jahrhunderten klare Tendenzen erkennen lässt. Um die Entwicklung des Deutschen zu verstehen, wandte Thiery das Werkzeug an, mit dem Darwin der biologischen Evolution auf die Schliche kam – den Vergleich.
So wie Darwin die unterschiedlichen Schnäbel der Galapogosfinken verglich, tat dies Bernhard Thiery mit den germanischen Geschwistersprachen, vom Englischen über das Deutsche bis zum Norwegischen. Darwin entdeckte beim Vergleich die Entwicklung der einen und der anderen Finkenart aus einer einzigen Ausgangsform.
Auf ähnliche Art zeigt der Vergleich des Deutschen mit seinen Geschwistersprachen Muster, die auf erstaunliche Art gleich mehrere Paradoxa rund um die deutsche Gendersprache erklären.
Das kam in der Wissenschaft so gut an, dass Thiery seine Ergebnisse im Dezember 2025 erstmalig an der Goethe-Uni Frankfurt vorstellen durfte. Interessanterweise nicht in der Linguistik, sondern im Kolloquium des Lehrstuhls Holocaustforschung von Frau Prof. Sybille Steinbacher.
Während dort der Anteil der NS-Sprache am aktuellen Dilemma im Vordergrund stand, zeigt Thierys Sprachvergleich, dass der Weg der deutschen Sprache in die Sackgasse der Sexualisierung schon deutlich vor dem 20. Jahrhundert begonnen haben muss.
Zusätzlich interessant wird sein Ansatz aus einem zweiten Grund: Statt sich auf das Pro und Contra der Gendersprache zu konzentrieren, wandte sich unser Referent dem Wie und Wieso zu. Diese übergeordnete Sichtweise zeigt Befürwortern wie Gegnern einen neuen Überblick mit einem klaren Lösungsweg. Und zwar dem Weg, den unsere Geschwistersprachen per natürlicher Sprachentwicklung gingen; die Beendigung der Sexualisierung und Rückkehr zu den ursprünglichen, geschlechtsneutralen Oberbegriffen.
An unserem Treffen wird Bernhard Thiery sowohl von seinen Forschungsergebnissen als auch seinem Vortrag an der Goethe-Uni berichten. Und gleichzeitig von einem zentralen Punkt, der beides miteinander verbindet: Was ist das, was unserer Sprache so zusetzt? Sind das Genderstern und Sprechpause, oder ist des Pudels Kern ein anderer? Ihn zu entlarven, so Bernhard Thiery, ist der nächste Schritt zur Beendigung des Gendersprachenstreits.
* Links dazu:
https://www.welt.de/kultur/plus698205736f72c99c11b1a8f9/gendern-wie-das-buergerinnen-und-buerger-deutsch-uns-langsam-umprogrammiert.html (von Fabian Payr)
https://www.welt.de/kultur/plus6998668fe4b4f52ca1f6a330/deutschunterricht-wenn-kinder-vor-lessing-und-schiller-geschuetzt-werden-sollen.html (von Inge Blatt)